Fehlsichtigkeiten

In der Schweiz sind ca. 60% der Bevölkerung fehlsichtig. Auch wenn die Zahl der Brillen- und KontaktlinsenträgerInnen am zunehmen ist, bedeutet dies nicht, dass die Menschen immer schlechter sehen. Der Anspruch der modernen Industriegesellschaft an das Sehen ist enorm, sodass immer mehr Menschen ihre vorhandenen Sehfehler korrigieren. Ausserdem nimmt der Altersdurchschnitt der schweizerischen Wohnbevölkerung ständig zu und damit auch bestimmte Fehlsichtigkeiten.

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Es gibt verschiedene Arten von Fehlsichtigkeiten:
Sehr verbreitet sind Kurz- oder Weitsichtigkeiten, Astigmatismus (Hornhautverkrümmung) und die Alterssichtigkeit. Sie sind laut Weltgesundheitsorganisation keine eigentlichen Krankheiten und können in den meisten Fällen mit Brillen oder Kontaktlinsen korrigiert werden.

Eine Sehhilfe kann dann angezeigt sein, wenn das visuelle Wohlbefinden gestört ist. In gewissen Berufen gibt es Vorschriften für das minimal zu erreichende Sehvermögen, das Farbensehen oder das stereoskopische Sehen.

Oft kann eine Sehkorrektur aber einen grossen Vorteil für die Betroffenen darstellen und Beschwerden wie unscharfes Sehen, Kopfschmerzen oder müde Augen auf einfache Art lindern. Für Kinder und Heranwachsende ist ein gutes Sehvermögen in jedem Fall eine wichtige Voraussetzung, nicht nur für Schule und Alltag: Für die normale Entwicklung des visuellen Systems ist ein uneingeschränktes Sehen beider Augen schon im Kleinkindesalter äusserst wichtig.

Rechtsichtigkeit (Emmetropie)

Das rechtsichtige Auge ist der optische Idealfall. Lichtstrahlen, welche das Auge aus dem Unendlichen erreichen, werden durch die optischen Medien des Auges (Hornhaut, Augenlinse, Glaskörper) so auf die Netzhaut projiziert, dass dort ein scharfes Bild entsteht.

Das rechtsichtige Auge, hat in Ruhestellung seinen Brennpunkt auf der Netzhaut:

Das rechtsichtige Auge

Links auf SOV-Online: Das Sehen

Kurzsichtigkeit (Myopie)

Beim myopen (kurzsichtigen) Auge ist die Baulänge im Verhältnis zur Lichtbrechung der Augenlinse zu lang gebaut, beziehungsweise die Augenlinse bricht das Licht zu stark. Somit entsteht der Brennpunkt für Lichtstrahlen, welche das Auge aus dem Unendlichen treffen, nicht auf der Netzhaut wie beim rechtsichtigen Auge, sondern davor. Auf der Netzhaut entsteht ein unscharfes Bild.

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Die Diskussion, warum die meisten Menschen immer kurzsichtiger werden, ist in der Fachwelt kontrovers. Man vermutet, dass sich die Augenlinse durch die Akkommodation (Einstellung der Linse für Nahdistanzen) nicht mehr entspannt. Somit bündelt die Linse die Lichtstrahlen, welche das Auge aus dem Unendlichen erreichen, zu stark. Der Brennpunkt liegt vor der Netzhaut - ein unscharfes Bild entsteht.

In den meisten Fällen entsteht die Kurzsichtigkeit aber durch eine zu lange Baulänge des Auges. Auch hier bündeln sich die Lichtstrahlen vor der Netzhaut und verursachen unscharfes Sehen.

Hochgradige Kurzsichtigkeiten können vererbt werden und bergen das Risiko von Netzhautschäden. Bestimmte Krankheiten können die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit begünstigen.

Kurzsichtigkeit ist meistens durch eine zu lange Baulänge des Auges bedingt. Sein Brennpunkt liegt nicht in der Ferne, sondern in begrenztem Abstand vor dem Auge:

Kurzsichtigkeit

Kann mit Brille oder Kontaktlinsen korrigiert werden.

Links auf SOV-Online: Fehlsichtigkeit, Minuslinsen

Weitsichtigkeit (Hyperopie)

Beim hyperopen (weitsichtigen, übersichtigen) Auge ist die Baulänge im Verhältnis zur Lichtbrechung der Augenlinse zu kurz gebaut, beziehungsweise die Augenlinse bricht das Licht zu schwach. Somit entsteht der Brennpunkt für Lichtstrahlen, welche das Auge aus dem Unendlichen treffen, nicht auf der Netzhaut wie beim rechtsichtigen Auge, sondern dahinter. Auf der Netzhaut entsteht also ein unscharfes Bild.

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Anders als bei der Kurzsichtigkeit kann dieser Sehfehler aber, in Abhängigkeit von Alter und Stärke der Weitsichtigkeit, kompensiert werden. Diese Kompensation verläuft fast immer unbemerkt, kann aber zu sekundären Symptomen führen. Müde Augen, Kopfschmerzen, Unlust zum Lesen sowie Nacken- und Rückenbeschwerden können Symptome einer nicht auskorrigierten Weitsichtigkeit sein.

Besonders bei Kindern ist die Kompensation einer Weitsichtigkeit sehr gut möglich und wird darum manchmal nicht bemerkt. Deshalb empfiehlt es sich, die Augen von Jugendlichen auch durch den Facharzt kontrollieren zu lassen.

Weitsichtigkeit ist meistens durch eine zu kurze Baulänge des Auges verursacht:

Weitsichtigkeit

Um deutlich zu sehen, muss das Auge mittels Akkommodation scharf stellen. Dies wird auf kurze Distanzen immer anstrengender. Kann mit Brille oder Kontaktlinsen korrigiert werden.

Links auf SOV-Online: Fehlsichtigkeit, Pluslinsen

Alterssichtigkeit (Presbyopie)

Von Geburt an verliert die Augenlinse an Elastizität, und somit auch an der Fähigkeit, sich auf nahe Distanzen einzustellen. Ab dem 40. Lebensjahr haben die Betroffenen Mühe, kleine Dinge im Nahbereich deutlich zu sehen, sie müssen zum Beispiel die Zeitung weiter von sich strecken.

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Wenn auch das nicht mehr richtig gelingt, kommt oft die Aussage: "meine Arme sind zu kurz." In der Regel stört die Presbyopie die Weitsichtigen etwas mehr, weil sie im Nahbereich nicht mehr scharf sehen können. Die Kurzsichtigen sind oft besser bedient. Häufig reicht es, zum Lesen einfach die Brille abzulegen. Das ständige auf- und absetzen der Brille stört aber und ist für viele lästig.

Nahpunkt-Entwicklung mit dem Lebensalter: Je stärker sich die Linse krümmen kann, desto näher liegende Dinge können fokussiert werden. Durch die zunehmende, altersbedingte Versteifung der Linse verschiebt sich der Nahpunkt mit den Jahren vom Auge weg:

Alterssichtigkeit

Kann mit Brille oder Kontaktlinsen korrigiert werden.

Links auf SOV-Online: Presbyopie, Fehlsichtigkeit

Regelmässige Hornhautverkrümmung (Regulärer Astigmatismus)

Die Hornhaut leistet den grössten Beitrag zur Brechkraft des Auges. Sie ist beim rechtsichtigen Auge gleichmässig gekrümmt, so dass die Strahlen aus allen Einfallspunkten genau auf die Netzhautgrube fallen. Unregelmässigkeiten in dieser Krümmung bewirken ein verzerrtes Netzhautbild, bei dem ein punktförmiges Objekt strich- oder stabförmig erscheint.

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Die Hornhautverkrümmung ist meistens angeboren, aber auch Narben nach Hornhautverletzungen können einen Astigmatismus auslösen, was oft zu einem so genannten irregulären Astigmatismus führt.

Hornhautverkrümmung oder Stabsehen: Abbildungsfehler durch unterschiedliche Hornhaut- oder Augenlinsenkrümmung in den verschiedenen Achsen (z.B. senk- und waagrecht) des Auges. Dadurch wird ein Punkt nicht als Punkt sondern als Strich dargestellt.

Hornhautverkrümmung

Links auf SOV-Online: Fehlsichtigkeit, Zylindergläser

Unregelmässige Hornhautverkrümmung (Irregulärer Astigmatismus)

Der irreguläre Astigmatismus, die sogenannte Brennpunktlosigkeit kommt durch eine unregelmäßige Oberfläche der Hornhaut zustande. Diese Irregularität kann durch Narbenbildung nach einer Verletzung oder Infektion der Hornhaut oder durch bestimmte Krankheitsformen der Hornhaut entstehen.

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Beim normalsichtigen Auge ist die Hornhaut nicht kugelförmig gekrümmt, sondern sie besitzt in senkrechter und waagrechter Richtung bestimmte, genau aufeinander abgestimmte Krümmungen. Diese Krümmungen sind notwendig, damit auch Licht, das von der Seite, von oben oder unten einfällt, genauso die Netzhaut erreicht, wie das Licht, das von vorne kommt. Ist die Hornhaut jedoch in einer der Richtungen (Meridian) gegenüber der physiologisch richtigen Krümmung unregelmässig verändert, wird das Licht in den einzelnen Meridianen unterschiedlich gebrochen. Ein rundes Objekt, z. B. eine Kugel erscheint dann strich- und stabförmig oder wird verzerrt oder mehrfach wahrgenommen.

Keratokonus / Keratoglobus

Beim Keratokonus handelt es sich um eine kegelförmige Vorwölbung der Hornhaut, welche in den meisten Fällen nach der Adoleszenz auftritt. Die Ursachen sind nicht restlos geklärt, man vermutet aber Vererbung als Ursprung. Bei Patienten mit Keratokonus / Keratoglobus ist die Zusammenarbeit mit einem Augenarzt sehr wichtig, da es sich um eine krankhafte Veränderung der Hornhaut handelt.

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Keratokonus bzw. Hornhautvorwölbung (1) und korrigierende Kontaktlinse (2)Die Betroffenen bemerken in der Regel keine Symptome ausser der fortschreitenden Fehlsichtigkeit, welche oft mit einer Zunahme eines Astigmatismus (Hornhautverkrümmung) verbunden ist.
Bei nur leichten Vorwölbungen der Hornhaut kann meist mit Brillengläsern und Kontaktlinsen noch eine akzeptable Sehschärfe erreicht werden. Bei stärkeren Verwölbungen der Hornhaut kann vielfach nur noch mit formstabilen Kontaktlinsen ein angenehmes Sehen ermöglicht werden. Ist das Anpassen von formstabilen Kontaktlinsen aufgrund der Hornhautform auch nicht mehr möglich, kommt für die Betroffenen nur noch eine Hornhauttransplantation in Frage. Die neuste Behandlungsmethode des UV-Crosslinkings bietet in vielen Fällen die Möglichkeit das Fortschreiten der Verwölbungen unter Umständen für eine gewisse Zeit "einzufrieren".

Aphakie

Den Verlust einer Augenlinse durch Unfall oder Operation (z.B. Grauer Star bzw. Katarakt) nennt man Aphakie.

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Bei Staroperationen wird heute meist unmittelbar nach Entfernen der Augenlinse eine Kunstlinse in das Auge implantiert, die das Sehen auf eine festgelegte Distanz ermöglicht. Eine Alternative ist die Verwendung einer Kontaktlinse mit hoher Pluswirkung. Ergänzend dazu bekommen für das Sehen in die Nähe eine Brille oder Kontaktlinsen zum Einsatz. Die Aphakie-Korrektion mit Brillengläsern (Starbrille) kommt heute nur noch selten vor.

Schielen (Strabismus)

Das Zusammenspiel zweier gleichwertig sehender Augen ergibt im Idealfall zwei identische Bilder, welche im Hirn verschmolzen werden können. Diesen Vorgang nennt man Fusion. Ist das Zusammenspiel der Augen gestört oder behindert, kann unter Umständen auch die Fusion gestört sein und es kommt zu Doppelsehen.

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 Ist das Schielen von aussen sichtbar, spricht man von manifestem Schielen. Ein Auge befindet sich dann gegenüber dem anderen in einer Fehlstellung. Wenn es von aussen nicht sichtbar ist, wird von verstecktem (latentem) Schielen gesprochen. Damit beim latenten Schielen keine Doppelbilder auftreten, müssen die Augenmuskeln bei jeder Augenbewegung korrigierend eingreifen. Solche Korrektionen bewirken für die Betroffenen aber oft Beschwerden wie Doppelsehen (Diplopie), Kopfschmerzen, müde Augen, tränende Augen, rote Lidränder, Leseunlust, steife Nacken- und Schulterpartien.

Spezielle Brillengläser können die Symptome lindern oder beheben. Da die Ursachen des Schielens oft nicht bekannt sind, gehören Schielpatienten in die Obhut eines Facharztes.